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Pro Grüne Gentechnik

Um sich eine Meinung bilden zu können, braucht man immer verschiedene Sichten. In der Zeit gibt es immer wieder Pro- und Contra-Texte über verschiedene gesellschaftliche und politische Themen. So etwas gibt es jetzt auch auf Josty knows best. Jeweils ein Text von Martin Hillebrand und einer von mir. Hier folgt der vom Martin.

Vor gut eineinhalb Jahren durfte ich an einem Kamingespräch mit dem Schweizer Mikrobiologen und Genetiker Prof. Dr. Werner Arber teilnehmen. Arber erhielt 1978 den Nobelpreis für Physiologie/Medizin für die Entdeckung und Anwendung von Restriktionsenzymen in der Molekulargenetik. Damit legte er zusammen mit seinen Forscherkollegen den Grundstein für die moderne Gentechnik, da die Restriktionsenzyme es nun ermöglichten, einzelne Abschnitte aus Der DNS-Sequenz herauszuschneiden, um sie anschließend in anderen DNS wieder einzufügen.
Dieser eindrucksvolle Vortrag veranlasste mich dazu, mich mit der Gentechnik, wie sie auch heute kontrovers diskutiert wird, genauer zu befassen. Schnell wurde mir klar, dass es zu diesem Thema viel Meinung, aber wenig Wissen in der Bevölkerung gibt. Die Verteufelung dieser noch jungen Wissenschaft zieht breite Kreise: Besonders B‘90 Die Grünen, Greenpeace und andere Umweltschutzorganisationen machen durch ihre laute Polemik vor allem um die sogenannte Grüne Gentechnik auf sich aufmerksam. Doch wie viel steckt hinter dieser pauschalen Kritik?
Dass gentechnisch veränderte Lebensmittel sogar gesund sind, will ich an zwei Beispielen deutlich machen: Die europäische Rechtslage sieht momentan einen umfassenden Prüfungskatalog für gentechnisch veränderte Pflanzen vor. Im Klartext heißt das, dass neue, künstlich erzeugte Pflanzenarten keine Chance auf Zulassung haben, wenn sie in irgendeiner Art und Weise Allergien auslösen können. Die Funktionalität dieses Prüfsystems wird erkennbar darin, dass es bisher noch keine einzige allergieauslösende GV-Pflanze zugelassen worden ist. Interessant ist hierbei, dass nach den Kriterien für GV-Pflanzen kaum konventionelle Pflanzen mehr erlaubt werden dürften. Das heißt sogar im Gegenteil, dass diese Pflanzen gesünder sind. Als zweites möchte ich das „Golden Rice Project“ als Prestigeprojekt erwähnen. Mangel- und Unterernährung sind in den Dritte Welt- Ländern ein großes Problem. Jährlich sterben weltweit 1 Million Menschen an Vitamin-A-Mangel, eine halbe Million erblinden. Dies sahen deutsche Wissenschaftler zum Anlass, einen gentechnisch veränderten Reis zu züchten, der einen 23mal so hohen Anteil an Vitamin A enthält als konventioneller Reis. Schon 70 g genügen, um den Tagesbedarf abzudecken. Die grüne Gentechnik stellt eine riesige Chance dar, um den Hunger der Welt zu bekämpfen. Doch Greenpeace sieht darin – in seiner ideologischen Verbissenheit – eine PR-Kampagne, um Akzeptanz für GV-Pflanzen zu werben. (Wobei hier zu ergänzen ist, das das „Golden Rice Projekt“ nicht kommerziell durchgeführt wird, sondern die Entwickler die Nutzungsrechte Kleinbauern geschenkt haben).
Doch hierbei wären wir bei einem tatsächlichen Problem angelangt. Es geht um die Frage der Patente auf GV-Pflanzen. Zurzeit haben einige wenige Global Players, allen voran Monsanto, den Löwenanteil an Patenten. Dies sichert ihnen eine Art Monopolstellung auf dem Weltmarkt. Kritiker beklagen zum Teil zu Recht diese Entwicklung, doch die Schlussfolgerung, dass man deshalb Patente und Lizenzrecht für GV-Pflanzen verbieten müsse, ist schlichtweg falsch. Nehmen wir an, es gäbe keine Möglichkeit für forschende Unternehmen, ihre Innovationen als erste auf den Markt zu bringen und damit für sich profitabel zu machen. Die logische Konsequenz wäre, dass kein Anreiz für Innovationen mehr besteht, die Forschungsarbeit würde eingestellt werden. Im anderen Extrem könnte man ewige Patente fordern, doch dies ist im Sinne eines funktionierenden Wettbewerbs nicht förderlich. Monopolisten werden faul und ruhen sich auf ihren Lorbeeren aus. Deshalb bin ich für ein befristetes Urheberecht: Das heißt, dass zunächst die forschenden Unternehmen aus ihrer Entdeckung über einen gewissen Zeitraum hinweg Gewinn machen können, das aber nach und nach diese Patent wegfällt, um es allen offen zugänglich zu machen. Es gilt also die Balance zwischen der Aufrechterhaltung des Anreizes für Innovationsimpulse auf der einen und Nutzen der Allgemeinheit durch einen funktionierenden Wettbewerb auf der anderen Seite zu finden.
Es lassen sich durchaus Parallelen ziehen zwischen der aktuellen Debatte und der um die sogenannte weiße Gentechnik. Der Einführung von künstlichem Insulin, das mittels gentechnisch-veränderten Bakterien erzeugt wird, ging eine lange Diskussion um die Risiken der Gentechnik voraus. Das Ergebnis, dass damit tausenden von Tierinsulin-allergischen Diabetikern geholfen werden konnte, nahmen die Gegner zur Kenntnis, lernten jedoch anscheinend nichts daraus für sich und ihre Diskussionsweise. Selbst wenn ich kein Katholik bin, muss man Karl Lehmann Respekt für seine progressive Einstellung einräumen, wenn er da sagt: „Gentechnik ist kein Teufelswerk.“

2 Kommentare

  1. Eine Stimme in Bayern pro Grüne Gentechnik: das gibt’s nicht mehr allzu oft 😉 Falls Sich sich regelmäßig informieren und / oder vernetzen möchten, kann ich Ihnen (neben NovoArgumente) den Newsletter von http://www.gruenevernunft.de empfehlen. Beste Grüße, TD

  2. Josty Josty

    der text ist nicht von mir aber ich gebe es weiter. mein text ist der contra 😉
    der autor ist übrigens schon vernetzt und mitglied der jungen liberalen

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