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Wie mich die Krautreporter entäuschten

Seit einiger Zeit ist die Seite der Krautreporter nun online, Zeit für ein erstes Fazit. Das Projekt ist die wohl spannendste journalistische Neuerscheinung des Jahres. Dank eines interessanten Konzepts und großer mithilfe der Mainstream Medien konnten die knapp 40 freien Journalisten ca. eine Million Euro einsammeln. Damit haben sie ein kostenloses Angebot aufgebaut, dass ausführliche Reportagen ohne Werbung im Netz bietet. Dafür wurden Blogger und Journalisten aus der ersten und zweiten Reihe der Internet Avantgarde gewonnen.

Die zahlenden Abonnenten bekommen zusätzliche Features. So können nur sie die Kommentarfunktion nutzen, erhalten Zugriff auf weitere Bilder und Grafiken und können vor allem die Themen der Seite mitbestimmen. Ich habe die Krautreporter noch nicht untersützt. Das lag an meinem klammen studentischen Geldbeutel in Verbindung mit einer gewissen Skepsis.

Diese hat sich nun leider bestätigt. Momentan erfüllen die Krautreporter meine Erwartungen noch nicht. Die Seite ist für mobile Anwendungen optimiert. Was grundsätzlich unabdingbar ist wirkt hier allerdings ein wenig lieblos. Auch ich bin ein Verfechter von schlichtem Design, wie ihr an Jostyknowsbest erkennen könnt. Genauso wie die Krautreporter stelle ich die Texte in den Fokus, doch sind es bei mir viel weniger. Schon zu dem jetzigen frühen Zeitpunkt wird es bei dem Journalisten-StartUp wegen der Menge an Artikeln unübersichtlich. Es war definitiv richtig ein responsible Design zu verwenden, doch die fehlende Struktur macht es kaum nutzbar.

Nun aber zum Kern der Plattform – den Texten. Hier haben mich die Krautreporter fast noch mehr enttäuscht. Ja es ist angenehm, dass es keine Werbung gibt. Ja, es wurden hochklassige Texter ausgewählt. Und ja, hier dürfen die Journalisten auch lange Texte schreiben. Aber solche Romane will der Leser nicht. Es scheint als wollen die Reporter sich nun für alle Textkürzungen aus ihren vergangenen Jobs rächen. Dabei vergessen sie den Sinn dieser Streichungen. Damit werden die Texte einfach viel prägnanter, eine Eigenschaft, die ich keinem der Krautreporter Artikel zuschreiben kann.

Um sich auch für die nächsten Jahre ausreichend zahlende Abonnenten zu sichern, müssen die Krautreporter dringend das Design nachbessern. Weiter – und viel schwieriger – müssen sie wohl doch gewisse Richtlinien für die Journalisten erarbeiten. Auch wenn es den vielen ehemalig freien Journalisten und Bloggern ein Dorn im Auge ist, sie arbeiten jetzt für ein Magazin. Und dieses Online-Magazin muss Kunden gewinnen. Auf deren Forderungen und Bedürfnisse sie nun mehr eingehen müssen. Es wäre ihnen zu wünschen.

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