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Die Macht der Dummen

Nun ist es wirklich passiert, Donald Trump wird der nächste US Präsident. Das ist der Höhepunkt einer ganzen Reihe von verheerenden politischen Entscheidungen in den westlichen Ländern im Jahr 2016. Da wäre der Brexit, die gewaltigen Stimmgewinne vom Front National in Frankreich, der Einzug der AfD in deutsche Landtage, die rassistische Politik von Viktor Orban in Ungarn und die Einführung einer Diktatur von Erdogan in der Türkei. Und das sind nur die Schlimmsten.

All diese Geschehnisse sind demokratisch legitimiert oder sogar direkt vom Volk so gewählt. Dabei zeigen sich eben diese Völker nach jeder der Entscheidungen schockiert. Eine gefühlte Mehrheit in den Medien und dem Volk war schließlich gegen den Brexit. Auch Umfragen deuteten auf klare Niederlagen von Trump und dem Brexit-Lager hin. Doch es kam anders. Warum?

Die Gründe sind bei der weißen, ungebildeten, älteren und männlichen Bevölkerung zu suchen. Das klingt nach einer eng eingegrenzten kleinen Gruppe, doch so einfach ist es leider nicht. Da die Wahlbeteiligung bei den Jüngeren und Nicht-Weißen traditionell schlechter ist und der Bildungsgrad in der Ü50 Generation noch nicht das heutige Level hatte, dominiert diese Wählerschicht viele Wahlen. So hätte Trump bei den Millennials (Die Generation ab 1985) mit 23 zu 504 Wahlmännern verloren. Seine schlechten Ergebnisse bei Schwarzen, Frauen und Akademikern sind ebenso bekannt.

Donald Trump
Donald Trump – von Gage Skidmore unter CC-Lizenz

Das zeigt auch, dass Rufe nach einer besseren Bildung zur Verhinderung von solchen Wahlergebnissen nicht zielführend sind. Die politische Bildung hat sich ja scheinbar schon gebessert. Doch die alte Generation wird noch viele Wahlen dominieren, bevor diese neuen Generationen eine Mehrheit bilden, und in dieser Zeit ist ein weiterer Ausbau politischer Bildung alles andere als garantiert.

Nun müssen wir jetzt also eine Lösung finden um die große Wählerschaft der Unentschlossenen und Unzufriedenen wieder abzuholen. Im Jahr 2000 hat Gerhard Schröder den viel zitierten Aufstand der Anständigen gefordert. In der festen Überzeugung, dass die Anständigen auch noch heute eine Mehrheit bilden, bleibt Angela Merkel ihrer Linie treu. Diese Anständigen hört man jedoch nicht, sie schweigen und hören als unzufriedene Bürger nur die gebetsmühlenartigen Anfeindungen der Radikalen gegen alles Fremde und das politische Establishment.

Diese radikalen Populisten wird man nicht mehr zurück gewinnen können, doch ich bin der festen Überzeugung, dass Sie auch heute noch an der 5% Hürde scheitern würden wie einst die NPD. Das Problem sind die Unzufriedenen und Unentschlossenen, die ihnen immer häufiger folgen. Eben die weißen, ungebildeten, älteren Männer. Sie müssen wir abholen und einbinden. Dafür sind Volksentscheide nicht der richtige Weg. Spätestens der Brexit hat gezeigt, dass eine parlamentarische Demokratie Sinn macht.

Nun brauchen wir aber einen anderen Weg um sie zurück zu rationalen Entscheidungen zu führen. In der Vergangenheit reichten dafür gute wirtschaftliche Zahlen und eine niedrige Arbeitslosenquote. Heute zeigen die Ergebnisse der AfD, dass dies nicht mehr ausreicht. In einer immer komplexeren Welt, mit einem schier unendlichen Informationsangebot, fühlen sich viele in der Wählerschicht überfordert. Sie sehen täglich negative Nachrichten und eine Politik, die sie nicht mehr nachvollziehen können. Als dann in diese Unsicherheit das Fremde in Form von knapp einer Million Flüchtlingen kam, erodierte diese Blase und die AfD war geboren. Wie kann man nun die Wähler zurück gewinnen? Bildung hilft – aber nicht kurzfristig. Gute Wirtschaftslage hilft – reicht aber nicht mehr. Transparenz und Information hilft – aber nicht in den Wählerschichten die zur AfD oder Trump abgewandert sind.

Pegida Frankfurt
Pegida Frankfurt – von Opposition24.de unter CC Lizenz

Die Lösung ist so trivial wie schwierig. Die Regierungen müssen eine neue Einfachheit schaffen. Kein uninteressierter und schlecht ausgebildeter Wähler wird die Gründe von Freihandelsabkommen, der EU oder gar einer höheren Steuer (Erbschaftssteuer) verstehen. Sie sehen die Bilder, die Ihnen von Populisten geliefert werden: Chlorhähnchen und die Abwanderung von Jobs, Fremdbestimmung und dann eine Steuer, die Ihnen das mühsam erarbeitete Reihenhaus der Eltern als Erbe streitig macht.

Statt sich wie bisher in Verklausulierungen zu verstricken müssen die Regierungen ebenfalls mit Bildern arbeiten. Fakten, Zahlen und Transparenz sind notwendig – gleichzeitig muss man den Bürgern aber auch einfache Erklärungen und Bilder von den Folgen der Entscheidungen anbieten.

So reicht es, wenn die Bundesregierung alle Fakten und Zahlen preis gibt und dazu endlich transparent mit allen Entscheidungen umgeht, um den interessierten Bürgern ein Gefühl der Teilnahme zwischen den Wahlen zu geben. Zusätzlich muss man aber auch die Folgen und Hintergründe so prägnant und bildhaft erläutern, dass sie in der „Bild“-Zeitung gedruckt werden könnten. Warum erklärt man nicht endlich, wie sehr der Welthandel den Menschen in Deutschland hilft? Man kann das an eigentlich exotischen Produkten machen, die heute zu Spottpreisen in unseren Alltag gehören. Die Vorteile der EU gehören beworben und nicht versteckt! Macht Werbung für das freie Reisen und Arbeiten in Europa! Zu guter Letzt betrifft eine Erbschaftssteuer nur extrem reiche, warum zeigt man nicht auf wie viel Reihenhaus man auch mit einer vernünftigen Erbschaftssteuer noch einfach an seine Kinder vererben kann?

Das waren jetzt nur drei Beispiele. Es gibt Hunderte, so ist unsere Welt nun einmal geworden. Auch die am besten gebildeten und interessierte Wähler können nicht mehr alles verstehen. Doch wir wollen es gezeigt bekommen, so dass wir es auch verstehen. Dann gehen die Anständigen auch wieder wählen und stimmen nicht für Trump, den Brexit oder die AfD, obwohl sie es zuvor – aus Scham – in jeder Umfrage bestritten haben.

Titelbild von Elliot Stallion

2 Comments

  1. hubertdaubmeier hubertdaubmeier

    Die zentrale Annahmen dieses Posts scheint zu sein „die Leute [Trump Wähler] sind {dumm | alt | ungebildet | …}“. Keine Frage, es wird immer und überall echte oder vermeintlich dumme, alte, ungebildete Menschen geben. Aber wie realistisch ist es, dass faktisch jeder zweite dumm, alt, ungebildet ist?

    • Josty Josty

      Hallo Herr Daubmeier, danke für Ihren Kommentar.
      Sie haben natürlich recht, dass nicht jeder Trump Wähler die Kriterien erfüllt. Es steht jedoch außer Frage, dass Trump bei Frauen, Akademikern, anderen Ethnien und Jungen deutlich weniger Wählerstimmen bekommen hat, als bei der beschriebenen Gruppe.

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