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Marrakesch- ein Reisebericht

Mit einem sechsstündigen Stopp in Lissabon ging es über Ostern nach Marrakesch, das erste Mal Afrika für mich. Kurz zu Lissabon: Unsere Wartezeit war lange genug um mit der U-Bahn in die Stadt zu fahren (das dauert ca. 20 min) und dort eine Runde mit der historischen Tram Linie 28E zu drehen. Die einwagigen Straßenbahnen sind nicht mit den Deutschen zu vergleichen.

Mit viel Schaukeln und einigen harten Bremsmanövern ging es durch die hügelige Stadt. So ähnlich stelle ich mir die Cabel Cars in San Francisco vor. Die Tram gab uns schon die Möglichkeit einen Eindruck der portugiesischen Hauptstadt zu bekommen und auf einer der vielen Anhöhen einen Überblick zu bekommen. Am Ende erkundeten wir noch zu Fuß die Innenstadt, sahen die ebenfalls aus San Francisco kopierte rote Hängebrücke in deren unmittelbarer Nähe eine Jesus Statue wie in Rio auf einem Sockel steht. Warum man hier mehr Sehenswürdigkeiten nachbaut als in Las Vegas wurde mir nicht klar. Insgesamt ist die ganze Stadt sehr heruntergewirtschaftet, einzig die hohen Preise beweisen eine Zugehörigkeit zu Europa. Eine eigentlich schöne Stadt kurz vor dem wirtschaftlichen Kollaps aufgrund von Misswirtschaft und großen sozialen Unterschieden. An Sehenswürdigkeiten ist die Stadt nur mäßig ausgestattet, mehr als 2 Tage muss man ohne Baden wohl nicht einplanen.

Aber nun ging es ja auch endlich nach Marrakesch. Gelandet auf einem Flughafen wie in Malta (vom Flugzeug geht es zu Fuß zum Hangar) freuten wir uns erst einmal über die angenehmen Temperaturen um die 30℃. Glücklicherweise haben wir uns für ein Riad in der Medina (der Altstadt) entschieden, denn eine Exkursion in die Neustadt entpuppte sich als Flop. Ebenso wie der von Reiseführern so angepriesene Majorelle Park, dessen einziges Highlight eine Sammlung an Neujahrsgrüßen von Yves Saint Laurent war. Weitaus spannender sind die Parks und Paläste in der Medina. Ohne übermotivierte Aufseher kann man die Paläste auf eigene Faust für ca. 5 Euro Eintritt entdecken. Auch Grabstätten und eine ehemalige Koranschule sollten auf dem Plan stehen. Dazukommt ein großer jüdischer Friedhof und ein entsprechendes jüdisches Viertel.

Das absolute Highlight aber ist der Zentrale Platz „Der Gehängten“ auf dem sich Tag und Nacht zig Tausende Menschen versammeln. Unter Tags ist der Platz voll mit Händlern, Wahrsagern, Geschichtenerzählern und Schlangenbeschwörern. Diese tauschen dann gegen Abend ihren Platz mit anderen Straßenverkäufern, Musikern und vor allem Essenstände mit riesigen Bank- und Tischreihen. Dort kann man für etwa 15€ zu zweit sehr gut essen, auch wenn man nicht genau weiß was man bekommt. Der Markt ist DER Grund nach Marrakesch zu kommen, alleine er ist den Besuch wert. Dazu kommen die vielen Einkaufsstraßen vor allem in den sogenannten Sucks. Dort bekommt man von Haushaltsutensilien, über Klamotten und Möbel bis zu Lebensmitteln und Taschen aus Leder oder Autoreifen (!) wirklich alles angeboten. Die Verkäufer sind bemüht jeden zu werben, aber nicht so aufdringlich wie auf dem Markt.

Insgesamt scheint die Bevölke-rung aber schon spezialisiert auf den Betrug von Touristen zu sein. Wer zu lange mit einer Karte über das wirre Straßennetz rätselt wird nett angesprochen und bekommt scheinbar Auskunft angeboten. Doch sobald man sich über die Hilfe freut, begleiten sie einen zu dem Ort – und betonen stets einfach nur helfen zu wollen bzw. keine Führer zu sein – dort angekommen stellen sie sich mit offener Hand neben den Eingang. Besonders gemein bei kleinen Kindern. Andere erzählen einem einfach die Sehenswürdigkeit sei geschlossen (obwohl sie offen ist) und zeigen einem etwas anderes und auf dem Weg dorthin wollen sie unbedingt den Laden des Onkels herzeigen. Wer sich ohne Einkauf nach langen Verhandlungen los sagen kann wird mit bösen Blicken gestraft. Eine Kultur, die zu Menschenhass einlädt, ebenso wie die Mentalität, sämtlichen Müll einfach auf die Straße zu werfen.

Weil Marrakesch für fünf Tage einfach zu wenig bietet, haben wir uns für Ausflüge nach Essaouira und ins Atlas Gebirge entschieden. Zur weißen Stadt am Atlantik gehen günstige und komfortable Busse mit ca. 2,5 Stunden Fahrzeit. Diese kosten zwischen 7€ (einfacher Reisebus) und 10€ (extrem komfortabler Bus mit gigantischen Fußraum) jeweils für die einfache Fahrt. Sechs Stunden reichen für die überschaubare Innenstadt von Essauoira samt ihres sehr ursprünglichen Fischerhafens. Bei schönem Wetter lädt der fantastische Sandstrand zum verweilen ein. Dank des starken Winds gibt es viele Kite Surfer und wer sich trotz frischer Temperaturen in den angenehm warmen Atlantik wagt, erlebt tolles sauberes, aber auch sehr salziges Wasser. Am vorletzten Tag fuhren wir nun mit einer der überall angebotenen Touren zu einigen Wasserfällen und Berberdörfern im Atlasgebirge. In einem Kleinbus holten wir zuerst den Führer in einem der Berberdörfer ab, danach ging es in ein „Labor“ zur Herstellung von Ölen, Kräutern usw. Haltestopps wie bei einer Kaffeefahrt mit derin Deutschland Rentner abgezockt werden.

 

Danach ging es in das Gebirge und wir wanderten gut zwei Stunden. Auf dem Weg gab es neben der tollen Landschaft auch zwei Wasserfälle zu sehen, leider ist der Weg so überladen, dass man auch bei mitunter anspruchsvollen Stellen anstehen muss. Gute Schuhe wären hier – anders als uns beim Buchen versichert wurde – mehr als angebracht gewesen. Nach der Klettertour ging es dann in ein Restaurant, damit Busfahrer und Führer noch einmal eine Provision kassie-ren können, bevor wir dann nach Marrakesch zurück gefahren sind. Für 20€ (mit Trinkgeldern eher 25€) war es trotz der Verkaufsstopps ein sehr spannender acht stündiger Ausflug, den man bei einem längeren Aufenthalt in Marrakesch sicher in Erwägung ziehen sollte. Essaouira aber war spannender.

Insgesamt kann ich jetzt beim Rückflug resümieren, dass es spannend und interessant war, aber so schnell muss ich nicht mehr hin. Das ständig geforderte Trinkgeld und die Unfähigkeit der Zöllner bei der Passkontrolle nerven einen nach sechs Tagen doch gewaltig. Auch ist ein Hotel in der Medina nicht ganz billig und ein Hotel außerhalb macht einfach keinen Sinn.

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