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Eine Kernzeit für Meetings

Keine Meetings außerhalb einer Kernzeit von 9 bis 16 Uhr. Diese einfach Regel schafft Vorteile in der Produktivität und sorgt dabei auch für mehr Geschlechtergerechtigkeit.

Wer in einem deutschen Unternehmen wichtig wirken will, hat am besten einen vollen Kalender. Es ist völlig egal, dass die Mehrheit der Arbeitnehmer Meetings für Zeitfresser hält und kürzere Besprechungen zielführender sind. Nur wer „einen harten Anschlag“ hat und eigentlich schon seit fünf Minuten zum nächsten Termin muss, ist wirklich produktiv.

Früher oder später passt niemand mehr auf

Vor allem in der westlichen Unternehmenskultur führt das zu unerträglich vielen Abstimmungen und Regelterminen. Die Folge ist aber nicht eine Reduzierung eben jener, sondern die Verlagerung der Termine immer weiter nach hinten oder nach vorne. Die Frühaufsteher beginnen bereits um 7 Uhr mit den ersten Meetings und bei den „Eulen“ kann ein Termin auch mal erst um 18 Uhr beginnen.

Die Folge ist klar: Überstunden. Dass eine längere Anwesenheit keinesfalls automatisch einen höheren Output bedeutet und dass spätestens bei über 50 Wochenstunden die Produktivität massiv sinkt, ist längst erwiesen. Bei vielen Führungskräften und aufstrebenden Arbeitnehmern scheinen diese Studien allerdings noch nicht angekommen zu sein und so werden ohne Not gerne Termine nach 18 Uhr eingestellt, um die eigene Leistungsbereitschaft vor allen zu beweisen.

Am härtesten trifft es Frauen

Die größten Auswirkungen hat dies für Familien. Frauen – in den seltensten Fällen übernehmen es die Männer – müssen trotz ganztägiger Kinderbetreuung häufig in Teilzeit arbeiten. In Vollzeit wird von ihnen schließlich erwartet auch Termine nach 16 Uhr und deutlich vor 9 Uhr wahrzunehmen. Das dies keineswegs mit KiTa Öffnungszeiten zu verbinden ist weiß selbst ich als lediger, kinderloser Mann.

Die Folgen davon sind absehbar. Aufstrebende Frauen müssen sich auch im 21. Jahrhundert in Deutschland noch zwischen Familie oder Karriere entscheiden, weil manche Männer (und auch Frauen) wie oben genannt Leistungsbereitschaft mit sinnlosen Spätschichten gleichsetzen.

Ändern lässt sich das Ganze nur durch eine veränderte Arbeitskultur. Dass eine solche Anpassung auch in einem Industrieland ohne Probleme umsetzbar ist, macht Schweden vor. Dort gehört es zum guten Stil nach 16 Uhr – außer in begründeten Notfällen – keine Meetings mehr abzuhalten.

Es ist also höchste Zeit, dass ein modernes Unternehmen den Mut aufbringt, eine Kernzeit für Meetings einzuführen. Nur so werden Firmen in Deutschland auch in Zukunft Chancen auf qualifizierte Arbeitnehmer aus dem In- und Ausland haben.

Titelbild und Beitragsbild von rawpixel auf Unsplash