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Wie mit einem Plastik-Wellensittich

Instagram ist das wichtigste soziale Netzwerk für Menschen unter 30. Wer genauer hinsieht erkennt, dass die meisten jedoch mit viel Aufwand ein fehlendes Publikum bespielen. Influencer ohne Einfluss, aber mit einem Hang zur Selbstaufopferung.

Jozo Juric erzählt in einem „Zeit“-Podcast von einem Wellensittich aus seiner Kindheit, der einen Plastik-Wellensittich in seinem Käfig ständig gefüttert, bespielt und unterhalten hat. Diesen Wellensittich erkennt Juric in vielen Menschen in den sozialen Netzwerken wieder:„Sie arbeiten sich ab und füttern,  füttern – und es passiert nichts“.

Wer nun direkt Mitleid mit dem Vogel bekommt, der denke doch bitte an die zig-tausenden Instagram Accounts mit unzähligen aufwendig retouchierten Fotos, mit täglichen Stories, ellenlanger Profilbeschreibung – und 126 Followern aus dem privaten Umfeld.

Und was ist mit dir?

Jetzt kommt diese Aussage von jemand, der seit bald 10 Jahren einen Weblog ohne große Leserschaft betreibt. Jemand der schon seit dem Start – wenn auch mit Unterbrechungen – auf Facebook, Instagram und Twitter unterwegs ist und dennoch nicht einmal vierstellige Followerzahlen hat.

Der Unterschied ist aber doch ein wesentlicher. War und ist diese Website für mich immer ein Hobby, ja eine Selbstdarstellung, so werden diese Profile mit dem klaren Ziel zunächst eine große Reichweite und dann hohe Werbeeinnahmen zu erzielen, erstellt.

Eine von Vielen

Dabei geht es mir nicht um Accounts, die kleine Betriebe bewerben sollen. Es geht um junge Menschen, die Reiseziele nach „Instatauglichkeit“ auswählen, die nur Klamotten kaufen die auch „Likes“ generieren und die ihre Hobbys nicht nach den eigenen Vorlieben, sondern nach Vermarktbarkeit auswählen. Alles mit dem großen Ziel Influencer.

Influencer mit schlechten Einfluss

Und die Erfolgreichsten unter ihnen stellen dann eine perfekte heile Welt dar. Sie besuchen die schönsten Orte der Welt. Sie sehen jeden Tag perfekt aus. Und vor lauter Spaß sind sie nie unglücklich. Wer dann doch das „echte Leben“ zeigen will, tut es unter dem Deckmantel der Ironie. Klar, wer will schon ein schlechtes Foto sehen?

Während dieser Suche nach dem perfekten Bild, dem viralen Video, dem trendenden Boomerang arbeiten sich junge Menschen auf und bekommen kaum etwas zurück. Sie stecken unendlich viel Arbeit in dieses Projekt um dann doch zu den 99 % zu gehören, die es nicht schaffen. Das erinnert jetzt an die Nachwuchskader im Fußball – mit dem großen Unterschied: Bei Instagram ist jeder allein.

Titelbild von Ionut Coman Photographer auf Unsplash
Beitragsbild von rawpixel auf Unsplash